Gärten in Venedig

Sep 21, 2016 | Geschichte, Kunst, Tourismus, Traditionen | 0 Kommentare

Die Schönheit wird die Welt retten, Dostojewski: Beginnen wir damit in Venedig!

Sind Sie neugierig? Haben Sie Lust auf eine ungewöhnliche Führung? Sind Sie an Gärten interessiert?

Gärten in Venedig

Die erste Etappe unserer Reise auf den Spuren der Schönheit Venedigs befasst sich mit Gärten, die – wie wir sehen werden – einzigartig sind. Mit Ausnahme weniger sind sie nicht groß, hingegen äußerst zahlreich. Es sind fast fünfhundert an der Zahl, von denen lediglich sechs öffentlich zugänglich sind. Deshalb können wir wohl begreifen, dass ein Garten von wenigen Quadratmetern einen hohen Wert besitzt, auch weil das historische Stadtzentrum Venedigs keine großen Ausmaße hat.

Wie jede Insel, aus der es besteht, ist Venedig nicht nur von Wasser umgeben, sondern wird auch von ihm eingenommen, d.h. überflutet, was eine große Gefahr für die Gärten bedeutet. Aus diesem Grund sind diese stets etwas höher als die davor liegenden Höfe gebaut, oder die Gassen, die sich normalerweise neben ihnen befinden; die Natur behält jedoch die Oberhand und die Gärten überleben seit Jahrhunderten, auch wenn sie sich langsam verändern.

Die Klostergärten

Historisch gesehen entwickelten sich diese im Laufe des Mittelalters dank der Regel des heiligen Benedikt (VI. Jh.) und der benediktinischen Spiritualität. Danach trug auch der franziskanische Geist (XIII. Jh.) das Seine bei, der der Natur große Wichtigkeit beimaß. In den Klostergärten bildete sich der Garten der “Einfachen” (d.h. der Heilkräuter, die damals als “ einfache Arznei” bezeichnet wurden, weil sie direkt aus der Natur hervorgingen).

Einer der Hauptgründe für ihre Entwicklung lag in der damals fast ausschließlichen Behandlung der Kranken mit Heilkräutern, auf deren Erforschung man sich in der Folgezeit zusehends konzentrierte; und der Anstoß zum Gemüse- und Weinanbau und dem Anbau anderer Lebensmittel rührte von dem Wunsch her, die Selbstversorgung des Klosters zu garantieren und den Armen bei ihrem Unterhalt behilflich zu sein.

In Venedig sind die ältesten Gärten nicht erhalten, wie z.B. jener auf der Insel des Karthäuserklosters Certosa, zuvor den Augustiner anvertraut; hingegen existiert der Kräuter- und Gemüsegarten des Kapuzinerklosters (ein Zweig der Franziskaner, der auf das XVI. Jh. zurückgeht), des Redentore– sowie des Minoritenklosters (ein weiterer Zweig der Franziskaner aus dem XVI. Jh.) in S. Francesco della Vigna immer noch.

Die Arkade des Gartens von S. Francesco della Vigna

Die Arkade des Gartens von S. Francesco della Vigna

Blick auf einen Obstbaum in S. Francesco della Vigna

Blick auf einen Obstbaum in S. Francesco della Vigna

Im Redentore-Kloster befindet sich außerdem die wunderschöne alte Apotheke, die, noch immer perfekt ausgestattet, von den Mönchen sorgsam gehütet wird.

In den Klosterapotheken wurden die Kräuter des Gartens nach sorgfältigem Trocknen aufbewahrt und in Schubladen, Fächern und Gefäßen, je nach Eigenschaft und der heilenden Wirkung, geordnet.

Nutzgarten des Redentore

Nutzgarten des Redentore

Teil des Redentore Gartens

Teil des Redentore Gartens

Im Laufe des XVI. Jh.s ging ein weiterer Impuls von den Unbeschuhten Karmelitern aus (ein von der hl. Teresa gegründeter Zweig des Karmeliterordens); dieser Orden versteht die Schönheit der Natur als Ausdruck und Manifestierung der göttlichen Schönheit und als Gabe Gottes an den Menschen. Daraus folgt, dass der Kontakt mit der Natur dem Menschen bei der mystischen Vereinigung mit Gott helfen kann.

Früher hatten auch die Malteser-Ritter (der Orden des Johannes von Jerusalem) einen Klostergarten, dessen Grünfläche in Kürze zur alten Pracht zurückkehren wird und der in jahrhundertealten Dokumenten beschrieben ist; einige spezielle Heilpflanzen sind eingezeichnet, unter denen sich natürlich auch das Hypericum befindet, volkstümlich Johanniskraut genannt (vom Namen des Ordenspatrons). Aus der Blüte wurde das Hautöl gewonnen, ein Kräutertee half gegen Müdigkeit und die Creme besaß große Heilwirkung.

Die Ritter widmeten sich in der Tat nicht nur der Verteidigung der Pilger, sondern auch dem körperlichen Wohl. Deshalb wurde überall dort, wo sie sich ansiedelt hatten, ein Hospital gegründet, dessen Ort sorgfältig ausgewählt wurde. In seiner Nähe existierte häufig bereits ein Garten.

All diese und andere Gärten, die ich noch nicht erwähnt habe, sind kostbare Schmuckstücke, um so kostbarer, je versteckter sie sind. Sie sind jedoch nicht sehr einfach zu besichtigen,

Besuche – zuvor mit den Besitzern abgesprochen – sind gut möglich, aber nur, wenn sie frühzeitig geplant werden.

Dies aber lohnt sich: Sehen um zu glauben!

Loredana Giacomini
BestVeniceGuides.it
loredanagiacomini@gmail.com