Gärten in Venedig: Die Palastgärten

Okt 19, 2016 | Geschichte, Kunst, Tourismus, Traditionen | 0 Kommentare

Die Schönheit wird die Welt retten, Dostojewski: Beginnen wir damit in Venedig!

Sind Sie neugierig? Haben Sie Lust auf eine ungewöhnliche Führung? Sind Sie an Gärten interessiert?

Gärten in Venedig: Die Palastgärten

Ursprünglich waren es eher Nutz- als Ziergärten, die im Bedarfsfall (außerdem bei eventueller Belagerung) dazu dienten, das Überleben und die Selbstversorgung der Familien mit Gemüse und Obstbäumen abzusichern; ab dem 14. Jh. hatten diese sich jedoch bereits zum Botanischen Garten verwandelt, in dem die reichen Besitzer seltene Pflanzen zogen, die sie von ihren weiten Reisen mitgebracht hatten.

Marco Polo tat das Seine dazu, als er unter Tausenden von Dingen auch Aloe-, Zimt-, Rhabarber- und Sandelpflanzen mitbrachte.

Eine moderne Aloe-Pflanze

Eine moderne Aloe-Pflanze

Pietro Antonio Michiel hatte im XVI. Jh. neben seinem Palast einen außerordentlichen Botanischen Garten, aus dem zahlreiche Spezialisten seiner Zeit ihre Informationen bezogen. Und es war kein Zufall, daß gerade Venedig, von seinen großen Gelehrten angestoßen, in Padua, damals Teil des venezianischen Staates, den ersten universitären Botanischen Garten der Welt gründete (genannt Horto medicinale oder Hortus Simplicium), der noch heute existiert.

Eine weitere Veränderung der Gärten findet im Laufe des 19. Jh.s statt, als auch in Venedig die traditionelle formale Anordnung italienischer Tradition in geometrische Beete von der englischen Tradition des romantischen informellen Gartens ersetzt wird: keine Kontrolle der Natur durch den Menschen, sondern, zumindest äußerlich, die Verwirklichung einer freien unkontrollierten Natur.

Hierzu werden kleine Felsen nach Venedig gebracht, Sandberge aufgehäuft, um Hügel zu bauen, die durch künstliche Brückchen miteinander verbunden werden; kleine Ruinen werden errichtet, um das Wirken der Zeit zu veranschaulichen, Grotten gebaut – all dies, um sich in ständiger Überraschung zu befinden, und um die Zentralschau und das traditionelle Zusammenspiel der Elemente hinter sich zu lassen. Noch heute erinnern Teile des Gartens Nani-Lucheschi und des Palazzo Zenobio an die Romantik; hingegen zeigt sich uns diese in vollkommener Weise im Garten Rizzo Patarol.

Teil des Nani-Lucheschi Gartens

Teil des Nani-Lucheschi Gartens

Der Nani-Lucheschi - Garten mit der hinteren Fassade des Palazzo

Der Nani-Lucheschi – Garten mit der hinteren Fassade des Palazzo

Im Laufe der Jahrhunderte wurde immer mehr Raum den Blumen vorbehalten, die heute dominieren und den früheren Teil des Nutzgartens in einen reinen Ziergarten verwandelt haben (und gerade von den Venedigs Blumen werde ich in einem meiner nächsten post berichten). Spuren einer früheren Unterteilung sind in einigen Gärten nach wie vor sichtbar, auch wenn diese nicht mehr von den urspünglichen, nunmehr ausgestorbenen Familien, wie Contarini dal Zaffo und Morosini dal giardin bewohnt, sondern von religiösen Gemeinschaften verwaltet werden (Cottolengo und Dominikanerinnen).

Einige Rosen des Contarini dal Zaffo Gartens

Einige Rosen des Contarini dal Zaffo Gartens

Laube mit Rosen im Morosini del Giardin Garten

Laube mit Rosen im Morosini del Giardin Garten

Die Glyzinie einer weiteren Laube im Morosini del Giardin Garten

Die Glyzinie einer weiteren Laube im Morosini del Giardin Garten

All diese und andere Gärten, die ich noch nicht erwähnt habe, sind nicht sehr einfach zu besichtigen.

Besuche – zuvor mit den Besitzern abgesprochen – sind gut möglich, aber nur, wenn sie frühzeitig geplant werden.

Dies aber lohnt sich: Sehen um zu glauben!

Loredana Giacomini
BestVeniceGuides.it
loredanagiacomini@gmail.com