So ist es nun mal, die venezianischen Frauen waren eitel

Feb 1, 2017 | Frauen, Geschichte, Gesellschaft, Handwerk, Kunst, Kuriositäten, Palast, Traditionen | 0 Kommentare

Heutzutage haben Frauen unzählige Möglichkeiten sich schön zu machen: Wellness-Oasen, Kosmetiksalons, Stylists, Friseure und Designer, Kleider, die mit ihrem vorteilhaften Schnitt dem Körper schmeicheln usw., usw., usw.

Wenn wir aber einen Sprung in die vorherigen Jahrhunderte wagen, entdecken wir, dass es früher gar nicht so anders war. Heute soll ein 12 cm hoher Absatz jede Figur schlanker machen… tja… nichts im Vergleich zu den Holzschuhen mit über 50 cm hohem Keil… Sie glauben es nicht? Besuchen Sie das Museo Mocenigo in Venedig um ein Exemplar dieser Schuhe zu bewundern, die sogenannten „calcagnini“. Sie wurden erfunden, als Venedig noch nicht bepflastert war und man mitten durch Schlamm und den Pfützen gehen musste.  Natürlich konnten die Damen deswegen nicht ohne die Begleitung eines Kavaliers, oder noch besser zwei, aus dem Haus gehen.

Stadtmuseen Venedig, Die sogenannten „calcagnini“, Frauenschuhe

Die Vorbereitung einer Dame konnte auch Stunden dauern. Aus diesem Grund hatten sie einen eigenen Raum, in dem ein ganzer Dienstmädchenschwarm zu ihren Diensten stand.

Venezianische Frau, die dabei ist, sich blond zu färben, Pietro Bertelli

Die Haare mussten blond sein. So verbrachten sie Stunden, Tage und Wochen unter der Sonne auf den venezianischen Terrassen (altane), die sich über den Dächern der Stadt befinden. Sie behandelten ihre Haare mit einem Schwamm, der in eine Flüssigkeit eingetaucht wurde, die aus Gewürzen, Kräutern, Asche und Pferdeurin bestand und den Blondierungsprozess beschleunigte. Falls Sie das Rezept ausprobieren wollen… finden Sie es im Museo Correr.

Die Friseure vervollständigten das Werk mit Locken, Zöpfen und Chignons und verwandelten das Haar der Damen in Blumensträuße, Fruchtkörbe und sogar Nester mit ausgestopften Vögeln. Das Gesteck wurde dann zusätzlich mit Broschen, Kämmen und Klammern geschmückt.

Die Haut musste schneeweiß sein. Eine der populärsten Methoden bestand darin, abends eine Maske aus Zitrone und Eiweiß aufzutragen, die morgens mit kaltem Wasser abgewaschen werden musste. Falls das nicht genug sein sollte, benutzten die Venezianerinnen ein weißes Pulver, das die Händler aus einer der Inseln der Venezianischen Republik, Zypern, mitbrachten. Dieses hauchdünne, feine Pulver  benutzen wir auch heute noch: den Puder.

Galleria Giorgio Franchetti, Ca‘ d’Oro, Venus vor dem Spiegel, Tizian

Eines der wichtigsten Schönheitsmerkmale für die Haut war das Muttermal, das je nach Lage eigene Namen und Bedeutungen hatte: majestätisch wenn auf der Stirnmitte, leidenschaftlich im Augenwinkel, frech und unverfroren auf der Nase, galant auf den Lippen und mörderisch auf dem Mundwinkel. Tja, eine tolle Geheimsprache, die natürlich vom Betroffenen schnell erfasst wurde.

Natürlich konnte man nicht aus dem Haus ohne reichlich parfümiert zu sein. Man denke auch daran, das Duschen und Baden in vergangenen Zeiten nicht vorgesehen waren. Aus diesem Grund versuchte man auf irgendeine Weise die unangenehmen Gerüche zu verstecken.

Parfümfläschchen, Austellung im Palazzo Mocenigo, Venedig

Palazzo Mocenigo Museum, alte Parfümfläschchen aus Glas

Man muss sich wohl bei der byzantinischen Prinzessin Anna Teodora Dukas bedanken, die 1705 den Dogen Domenico Selvo heiratete und Venedig, viel früher als Florenz oder dem französischen Grasse, zur Hauptstadt des Parfüms machte. Die neue Dogin brachte einen Hauch Orients und viele Neuigkeiten mit sich und…. sie liebte Parfüm. Schwärme von Händlern legten Richtung Griechenland, Persien, Ägypten, Arabien und Konstantinopel los, um sich damals noch unbekannte Blumen und Gewürze einzuheimsen. Die „spezieri“ (Gewürzhändler) der Venezianischen Republik produzierten die Vorahnen des modernen Eau de Toilette, indem sie die Gewürzmischungen in reinstem Destillat auflösten. Wollen Sie wissen wie? Besuchen Sie das wunderschöne Museo Mocenigo, in dem Sie Kleider, Kostüme, Accessoires, Szenen aus dem venezianischen Leben und viel mehr sehen können. Vor allem können Sie mitten in den Essenzen, Destillierapparaten, Dünsten und Substanzen eine regelrechte Sinneserfahrung erleben, die ihre Spuren in… Ihrer Nase und Ihrer Seele hinterlassen wird. Wir Fremdenführer von BestVeniceGuides freuen uns wie immer Sie auch auf diese besondere Entdeckungsreise zu begleiten.

Cristina Taddeo
BestVeniceGuides
www.veniceismagic.com