Murano – mehr als Glas

Jan 23, 2020Alltagsleben, Architektur, Geschichte, Glas, Kunst, Lagune, Malerei0 Kommentare

Im Norden der Lagune Venedigs gibt es eine Insel, die man nicht lange vorstellen muss: wenn man den Namen Murano hört, kann man kaum anders, als sofort an Glas zu denken. Aber das gilt nicht für alle – viele verwechseln die Insel auch mit Burano. Aber Vorsicht: die Einwohner von Murano und Burano sind nicht gut aufeinander zu sprechen! Und das sage ich als echte Muranerin!

Murano ist für mich mein Zuhause, dort sind meine Familie, Freunde, Erinnerungen … für mich ist es der Ort, an dem ich geboren und aufgewachsen bin, ein Ort des Glücks inmitten einer einzigartigen Landschaft wie der Lagune mit ihren Sonnenuntergängen, ihrem Licht und ihren Farben, die an ganz klaren Tagen von den Dolomiten umrahmt wird, die fast wie aus dem Wasser aufsteigen und mit den Kirchtürmen wetteifern. Murano ist eine Insel, die man entdecken muss. Murano ist nicht nur Glas, sondern auch Geschichte, Kunst, Kultur, Natur und Sport, eine Insel, die lebt und lebendig ist Lassen Sie sich von einer Reiseführerin von Bestveniceguides begleiten, es wird sicherlich ein einzigartiges, unvergessliches Erlebnis sein!

Blick auf die Lagune und die Dolomiten

Ein Sprung in die Vergangenheit
Diese einzigartige Insel hat ihren Ursprung im 7. Jahrhundert, als die Menschen vom Festland hier Zuflucht vor der Barbarei der Langobarden suchten. Sie wurde nach dem Namen eines Stadttors in Altinum Murano benannt, oder, wie einige Historiker behaupten, nach dem Namen der Adelsfamilien Muranesi und Muriani. Im Lauf der Jahre entstand ein blühendes Zentrum, dank der Handelsströme, der Salzgewinnung und seit 1291 der Glaskunst. In diesem Jahr wurden nämlich alle Glasöfen nach Murano verlagert, sowohl aus Brandschutzgründen als auch zur Wahrung des streng gehüteten Geheimnisses der Glasherstellung. Seitdem wurde Murano zu einer Werkstatt voller Genialität und Fantasie, deren Resultate man im Glasmuseum bewundern kann. Die Glasmeister fabrizierten wirklich unglaubliche Kunstwerke! Als zusätzlicher großer Ansporn diente hier auch das Privileg für die besten unter ihnen, Frauen aus Adelsfamilien heiraten zu dürfen.

Glasskulptur Cometa di Vetro von Simone Cenedese

Adlige in der Sommerfrische
Eine Königin, Caterina Cornaro, Witwe des Königs von Zypern und aus Venedig stammend, war häufig im Schloss ihres Bruders Giorgio in Murano zu Besuch, wo der Humanist Andrea Navagero den ersten botanischen Garten Europas errichtete. Die Königin wollte offenbar ihre helle Haut bewahren – sie stammte schließlich aus einer Adelsfamilie – daher ließ sie sich auf der Insel Laubengänge errichten, um im Schatten spazieren gehen zu können. Das bezeugen heute noch die Bögen, entlang welcher diese überdachten Wege  verliefen – einer davon auch im Garten meines Hauses. Nur mit einer lokalen Reiseführerin können Sie so etwas entdecken!

Der Laubengang von Caterina Cornaro

Antike Spuren und architektonische Schätze
Murano war ein kulturelles Zentrum mit zahlreichen Bibliotheken, Kunst-, Literatur- und wissenschaftlichen Akademien sowie ein religiöses Zentrum mit 17 Kirchen und dazugehörigen Klöstern, deren Zeugnisse man noch auf der ganzen Insel entdecken kann.

Nur drei Kirchen sind heute noch genutzt, davon vor allem die Kirche, der ich mich stark verbunden fühle, weil sie mein Leben direkt betroffen hat: die Basilica dei Santi Maria e Donato, ein Meisterwerk der byzantinischen Kunst und Architektur in Venedig. Sie stammt aus dem XII. Jahrhundert und hat sehr harmonische Formen, die von der Arkadenreihe der Apsis geprägt sind. Beim Eintreten wird man von der Schönheit und dem Reichtum der Mosaiken sofort ergriffen und wie bezaubert. Der Legende nach sollen in der Kirche auch die Knochen eines von San Donato erschlagenen Drachens aufbewahrt sein – aber überzeugen Sie sich selbst!

Die Basilica dei Santi Maria e Donato

Der Fußboden von der Basilica dei Santi Maria e Donato

Lucia Scarpa
BestVeniceGuides.it
www.luciascarpa.com