Touren in Venedig für Blinde und Sehbehinderte: die Karnevals- und Schokoladentour

Sep 5, 2021Geschichte, Gesellschaft, Kultur, Kuriositäten, Schokoladentour, Touren in Venedig, Traditionen0 Kommentare

Besichtigung von Venedig für Blinde und Sehbehinderte

Auch Blinde und sehbehinderte Menschen können die Schönheiten von Venedig durchaus genießen. Das habe ich bereits während der ersten Lektionen des Kurses gelernt, der von der UICI (Italienischer Blinden- und Sehbehindertenverband) organisiert wurde. Venedig ist eine Stadt, die durch die zahlreichen Brücken, das unebene Pflaster und das ständige Risiko in einen Kanal zu fallen bestimmt abschreckend wirken kann. Trotzdem können Führer, die über eine besondere Sensibilität und eine spezielle Technik verfügen, Besuchern mit Sehbehinderungen wunderschöne und unvergessliche Erlebnisse beschweren!

Dazu habe ich mir zwei Reiserouten überlegt. Eine zum Thema Rudertechnik und Boote, einschließlich der Gondel (klicken Sie hier für den Link: https://bestveniceguides.it/de/2021/08/05/touren-in-venedig-fuer-blinde-und-sehbehinderte-eine-tour-auf-venezianischen-booten-und-voga-rudern/) und eine weitere über Karneval, Masken und Schokolade!

Eine Tour für Blinde in Venedig: Karneval und Schokoladenverkostung

Die Tradition des Karnevals in Venedig ist gut vier Jahrhunderte alt. Zu dieser Zeit wurde Venedig zur Hauptstadt der Unterhaltung: überall eröffneten Spielhäuser und Theater, die ganze Stadt wurde zur Bühne für Schauspieler, Musiker, Scharlatane und Akrobaten. Zwischen campi und campielli gibt es tausende von Möglichkeiten, sich abzulenken und Spaß zu haben! Stellen Sie sich ein Fest nach dem anderen vor, und das über Monate hinweg! In diesen Jahren entstand die Commedia dell’Arte mit ihren verschiedenen Charakteren, Marionetten und Puppen, im Theater und auf den Straßen: ein ununterbrochener Spaß für Erwachsene und Kinder.

Das 18. Jahrhundert in Venedig: der Karneval

Wir beginnen unsere Tour mit der Geschichte des achtzehnten Jahrhunderts in Venedig, einer Zeit, in der der Karneval seinen Höhepunkt erreichte. Wir entdecken die Geschichte der Masken und wie sich diese Tradition entwickelt hat.

Heutzutage ist der Karneval zu einer Touristenattraktion geworden und viele Einwohner können inzwischen gar nichts mehr damit anfangen. Als Ende der 70er Jahre die ersten „mascareri“ (Handwerker, die Masken herstellen) die alte Tradition wieder aufgriffen, war das allerdings eine wahre Neuentdeckung und eine Gelegenheit, der Kreativität neuen Raum zu geben.

Eliana bemalt auf diesem Foto ein Werk aus Pappmaché, um es an die Wand zu hängen, umgeben von Pinseln und Tempera; hinter ihr hängen andere Werke aus Pappmaché, einige sind Masken, andere Fische in verschiedenen Formen.

Die Kunst der Maskenherstellung und die Tradition der Masken in Venedig

Früher wurden Masken für verschiedene Anlässe verwendet. Es gab Masken für den theatralischen Gebrauch und jede Maske entsprach einem anderen Charakter. Diener und Herren, Ärzte und Kapitäne, Mägde und reiche Kaufleute bevölkerten die Bühne und stellten die gesellschaftlichen Regeln mithilfe der typischen respektlosen Satire auf den Kopf. Masken konnten aber auch von jedem benutzt werden, der einfach unerkannt, oder auch geheimnisvoller und attraktiver erscheinen wollte, oder der einfach seinen guten Ruf schützen wollte, ohne kontrolliert zu werden.

Faszinierend ist die Herstellung der Masken auch heute noch: mit Papier, Leim und Gips. Zunächst wird Lehm benötigt, um das Modell herzustellen, eine richtige Skulptur, von der die Gipsform erstellt wird. In diese Gipsform werden die Papierstreifen gelegt und mit Vinylkleber benetzt. Die Arbeit erfordert Geduld und Zeit und viel Erfahrung, und das Ergebnis ist etwas, das nicht unbedingt getragen werden soll, sondern als Kunstwerk an die Wand gehängt werden kann.

Auf diesem Foto sind zwei große Harzformen zu sehen, die auf dem Boden liegen. In diese Formen werden dann Papier und Leim gelegt, um Pappmaché-Masken herzustellen. Eine ist die Form eines Gesichts mit Strahlen und die andere ein Gesicht halb Mond halb Sonne.

 

Schokolade, ein exotisches Getränk, in Venedig

Im Venedig des achtzehnten Jahrhunderts war Vergnügen praktisch Pflicht, und wenn man es sich leisten konnte, ging der Spaß über Theater und Feste hinaus. In jenen Jahren begannen die Menschen tatsächlich, sich für ein sündhaft teures Getränk zu begeistern, nämlich Schokolade. Eigentlich war Schokolade ja bereits seit der Entdeckung Amerikas bekannt, aber aufgrund ihrer Herkunft – der südamerikanische Kontinent galt als unzivilisierter Ort – und ihrer wenig einladenden Farbe galt Schokolade lange Zeit als ein Getränk, das “ für Schweine gut war“. Heute wissen wir, dass Schweine einen raffinierten Geschmack haben 🙂 Schokolade war kostbar, sie wurde zu besonderen Anlässen serviert und ganz anders zubereitet als heute.

Mariangela, Meister-Chocolatier hält ein paar Früchte in ihren Händen, wo sich die Kakaobohnen befinden. Hinten liegen ihre Keksen, Chocoladentafeln und mehr.

Wie man eine Schokolade zubereitet und wie man sie genießt: ein venezianisches Erlebnis

Ein Treffen mit einem Meister-Chocolatier ist ein unverzichtbares Erlebnis! Die Schokoladenverkostung beginnt mit einer kurzen Erklärung über die Frucht, die Kakaobohnen und wie für die industrielle Nutzung auch eine Hybridversion der Kakaofrucht erfunden wurde. Das Getränk kann auf verschiedene Arten zubereitet werden. Interessant ist, wie das Getränk im 18. Jahrhundert nach einem von Carlo Goldoni, dem berühmten Dramatiker aus Venedig, überlieferten Rezept zubereitet wurde: ohne Milch, aber mit Wasser, nach Belieben gewürzt mit Chili, Kardamom, Zimt und Ingwer.

Ein Teil der Verkostung wird sich darauf konzentrieren, die Unterschiede zwischen Milch-, Bitter- und Fruchtschokolade zu erkennen. Das ist ein harter Job, aber einer muss ihn ja machen, oder?

Schokolade mit italienischen Haselnüssen aus Piemont

Sind Sie also bereit, in diese Welt der Fantasie, des Vergnügens und Genusses einzutauchen? In welcher Stadt wenn nicht Venedig, hätte es so einen harmonischen Dreiklang von Theater, Spiel und unwiderstehlichen Getränken geben können! Eine brisante Kombination, kurz vor dem Untergang der Dogenrepublik: die Serenissima und ihr „süßer“ Schwanengesang.

Luisella Romeo
BestVeniceGuides
www.seevenice.it
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