Fiona Giusto
Artikel von Fiona Giusto

Der Innenhof Mazzariol: Mario Botta‘s Eingriff im Querini Stampalia Palast

Der Eingriff vom preisgekrönten Schweizer Architekten Mario Botta im Querini Stampalia Palast hat sich fast 30 Jahre hinausgezogen. Botta hat für die gleichnamige Stiftung die Räumlichkeiten von unterschiedlichen Bauten neu organisiert, Bauten, die die Stiftung im Laufe von Jahren auf der östlichen Seite des Renaissance Palastes erworben hatte.

Botta hat also die neue Brücke, die vom Campo Santa Maria Formosa deutlich erkennbar ist, den Eingang, das Treppenhaus mit den Fahrstühlen, die Garderobe, das Ticketshop, das Auditorium und den Innenhof Giuseppe Mazzariol entworfen.

die neue Brücke von Mario Botta

In diesem Post möchte ich Ihnen die Hauptmerkmale dieses herrlichen Innenhofes präsentieren, der zum neuen Schwerpunkt, zum Verbindungspunkt zwischen allen Bereichen der Stiftung geworden ist.

Mario Botta

1943 im Tessin, in Mendrisio, geboren, begann Mario Botta eine Lehre zum Hochbauzeichner in einem Architekturbüro in Lugano, dann besuchte er das Polytechnikum in Mailand, und ab 1964 hat er 5 Jahre in Venedig bei der Hochschule für Architektur IUAV (Istituto Superiore di Architettura) studiert.

Als Student hat er anhaltend die Querini Stampalia Bibliothek besucht, vor allem während der langen und kalten Winterabende. Die Lesesäle waren geheizt und mit Zeitschriften über Kunst, Geschichte und Architektur gut ausgestattet. Welcher Venezianer hat nicht ein paar Stunden an den schönen Schreibtischen aus Nußholz mit den ikonischen von Carlo Scarpa gezeichneten Lampen verbracht?

Botta kehrte dann nach Lugano zurück und ab 2011 ist sein Sitz wieder in Mendrisio, denn er dachte, es wäre schön, dort wo er geboren wurde, zu arbeiten.

1993 hat der damalige Direktor Giorgio Busetto Botta gebeten, die Umstrukturierung der neu erworbenen Bauten der Querini Stampalia Stiftung und die Neuverteilung der Bereiche und ihrer Funktionen auszudenken.

Großherzig hat Botta mit Begeisterung den Vorschlag sofort akzeptiert, da er diesen Auftrag als Möglichkeit empfand, mit Dankbarkeit etwas zurückzugeben, eine Sorte von ‘Wiedergabe eines Ehrendarlehens’; es waren für ihn ‘bekannte Räumlichkeiten, freundliche Räumlichkeiten’.

Der Eingang wurde durch eine neue Brücke direkt vom Campo Santa Maria Formosa geplant, um auf dieser Weise den alten Eingang von Carlo Scarpa dem Druck der Besucher zu entziehen. Die Brücke wurde erst 2013 bei der Vollendung der Arbeiten eingeweiht.

Detail der neuen Brücke

Indem man 2 Räume überquert, erreicht man den unerwarteten, hellen und hohen Innenhof.

Eingriff Innenhof Mazzariol im Querini Stampalia Palast (2001-2004)

Giuseppe Mazzariol war der Venezianer, der Ende der 50er Jahre den Vorstand der Stiftung überzeugt hatte, das baufällige Erdgeschoß Carlo Scarpa im Auftrag (siehe meinen Artikel) zu geben.

Mazzariol war der Venezianer, der zum Freund und Mentor vom jungen Botta geworden war und der ihm während seines venezianischen Aufenthaltes die Liebe zu Venedig übertragen hatte.

2 Innenhöfe sind vereint worden und mit einem Glasfenster mit segelähnlichen, durchstochenen Metallplatten überzogen.

Viele sind die Anspielungen an den Eingriff von Carlo Scarpa, mit welchem Botta während seiner Ausbildung in Venedig Kontakt gehabt hatte.

Der Fußboden besteht aus Fliesen, die größer sind, als die von Scarpa; sie sind aus 3 und nicht 4 Farben, gräulich, weiß oder rötlich, 15 cm x 15 cm, nie mehr als 2 Farben zusammen.

Fußboden des Innenhofes Mazzariol
Detail des Fußbodens

Der Teppich wird hier von einem breiteren (als in Scarpa‘s Eingriff)  Sockel aus schwarzem Marmor umrahmt, den man im restlichen Fußboden im Erdgeschoß, um die Türen und im Sockel, wiederfindet. Der Sockel reicht bis zur Höhe der Fenster.

schwarzer Sockel

Eine andere Anspielung auf Scarpa sind die Paneelen an den mit Putz überzogenen Wänden, die wieder zu erkennen sind.

Wand des Innenhofes

Seine Formensprache ist geometrisch, geordnet, präzise.

Die Fläche zwischen den existierenden Fenstern wiederholen auch auf der ersten Etage die Paneele; im Erdgeschoß sind sie gleißend weiß, auf der ersten Etage eisgrau. Deutlich wird auch hier, wie Bottas Stil sich durch eine streng geometrische, präzise Formensprache kennzeichnet.

In der Mitte des Innenhofes, der bis zum Beginn der 90er Jahre ein Feld war, steht der ursprüngliche Brunnen, obwohl nicht mehr auf der Hauptachse.

Das natürliche Licht

Das Licht bei Scarpa kam vom Wasser, wurde vom Wasser verbreitet und widergespiegelt, hier fällt das Licht dagegen von oben, vom Glasfenster und von den 2 durchbohrten Metallplatten. Das Licht dringt durch die Löcher durch, dessen Angleichung ständig wechselt, und dadurch wird die Idee der Bewegung hervorgerufen. Die obere Hälfte ist zu, aber das Licht filtriert trotzdem durch, die Spiegelungen des Wassers sind auf den Kopf gestellt, man findet sie an der Decke.

Glasfenster

Oft wird in den Werken von Botta das Dach durchsichtig, das Innere wird vom Licht überflutet, das Licht verändert sich von Saison zu Saison, die vergehende Zeit ist präsent. Die Rhythmen sind wichtig, Tag und Nacht, Sommer und Winter.

Form, Raum, Symmetrie

Botta hat sich mit vielen Sorten von Bauten wie Banken, Schulen, Museen, Kirchen, Theater auch Einkaufszentren auseinandergesetzt, er liebt besonders Kirchen.
Als Erstes betrachtet er die Beziehung des Baus zur Umgebung. Die Architektur ist nicht unbedingt Kunst, sondern eine künstliche Veränderung der Umgebung mit dem Ziel, ein neues harmonisches Gleichgewicht wiederherzustellen. ‚Architektur ist insbesondere ein Dialog, eine Frage des Gleichgewichts zwischen Mensch und Umwelt.‘

Die einfachen und geometrischen Formen sollen einen Gegenpol zur natürlichen Landschaft darstellen. Die Einbeziehung dieser zwei Elemente führt zum architektonischen Raum, wie Frank Lloyd Wright lehrte.

Von hier aus die Notwendigkeit das Territorium, wo man arbeitet gut im Vorhinein zu kennen. Im Querini Palast war die Sanierung und Fortbildung noch komplexer durch die verbindliche Lage und Ausdauer des Projekts, das ständig aktualisiert werden mußte.

Haben Sie Lust weitere Räume von diesem umfangreichen Werk vom weltweit bekannten Schweizer Mario Botta mit mir zu besichtigen?

Ich warte auf Sie.

Fiona Giusto
www.venicetours.it
BestVeniceGuides.it

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